Liebe Leserin, lieber Leser! Was wissen Sie nicht über sich, was Sie eigentlich wissen müssen? Es sind Ihre Karrieremuster, die Ihr Verhalten bestimmen. „Wer bin ich hier im Karriere-Kontext, in welcher Rolle bin ich, welche strebe ich an, wie verhalte ich mich und wie wirkt das?“
Wer sich nicht mit diesen Fragen befasst, überlässt den eigenen Mustern die Regie:
» Sie erhalten Toppositionen nicht, trotz nachgewiesener Erfolge. Ihr Muster: Sie sind enttäuscht und geben unfähigen Entscheider:innen die Schuld.
» Ihr Team führen Sie vorbildlich, alle erbringen für Sie Höchstleistungen. Dennoch nimmt Ihr Chef Sie nicht als Autorität wahr. Ihr Muster: Sie versuchen, ihn mit Ihrem Wissen zu beeindrucken. Wenn sich nichts ändert, wenden Sie sich vom Unternehmen ab.
» Als Expertin bringen Sie viele Optimierungsvorschläge ein. Ihre Vorstandskolleg:innen sehen den/die ständige Kritiker:in in Ihnen, den/die man keinesfalls für eine Aufsichtsratsposition empfehlen kann. Ihr Muster: Sie betrachten die Kolleg:innen als nicht kritikfähig und sehen auf sie herab.
» Ihnen liegt mehr daran, im Vorstand Ihre Themen ernsthaft durchzubringen, als durch Plaudern und Späße die Zeit der Anwesenden zu vergeuden. Ihr Muster: Sie unterschätzen die Bedeutung von Social Bonding. Sie halten Smalltalk für Zeitverschwendung und übersehen, dass Vertrauen auf der Beziehungsebene entsteht.
» Sie haben viel Wichtiges und Interessantes zu sagen und tun das auch ausgiebigst. Andere ziehen sich zurück und ghosten Sie. Ihr Muster: Ihr Bedürfnis nach Geltung, das überlagert die Wahrnehmung Ihres Gegenübers. Sie sind frustriert und suchen sich neue Zuhörer:innen.
Die gefährliche Komfortzone des etablierten Erfolgs
Kann es sein, dass Sie diese Aufzählung für Nichtigkeiten halten? Für so unbedeutend, dass Sie sich nicht damit beschäftigen müssen? Dass Sie glauben, Ihre Erfolge, Ihre Expertise und Ihr Führungskönnen machten Ihre Reputation aus? Doch Brillanz ist in der Topliga kein Alleinstellungsmerkmal. Die Regeln, die hier gelten, bestimmen nicht Sie, verändern nicht Sie. Topliga-Hidden-Agenden sind gesetzt; sie bestimmen den weiteren Erfolg.
Die eigenen hemmenden Karrieremuster wie Perfektion, sich moralisch überlegen fühlen, argumentativ überzeugen wollen oder anderen die Schuld zuweisen, verhindern die Verbundenheit und wirken als Abgrenzung. Wenn die Einsicht fehlt, dass nicht die anderen, sondern die eigene Haltung den Weg blockiert, gewinnen die eigenen Muster die Übermacht. Das ist die gefährliche Komfortzone des etablierten Erfolgs. Fachlich top, strategisch blockiert.
Die Entscheidung zur radikalen Einsicht
Warum wollen viele Menschen nicht wissen, wie sie sich selbst blockieren? Der Prozess ist konfrontativ und kann das Selbstbild erschüttern. Ein schmerzhafter Mindshift. Die Muster zu überwinden, braucht eine radikale Einsicht. Muster müssen benannt werden, ein neues Sprachbild muss entstehen. Nur so wird bewusst, auf welche Weise sich jemand im eigenen erfolgshemmenden Musterkorridor eingerichtet hat: Enttäuschung, Rückzug, Ärger, kultivieren der Überzeugung von unfähigen Entscheidern. In diesem Moment steht die Entscheidung an: „Ich ändere mich. Jetzt.“
Hören statt Ausblenden: Die eigenen Grenzen überwinden
Dann nehmen Sie auch kleinste Hinweise von anderen wahr, die Sie auf Ihre Muster aufmerksam machen. Bisher haben Sie sie als unwichtig abgetan, wie in den obigen Beispielen beschrieben. Jedes dieser Muster wurde ihnen wiederholt gespiegelt. Oder sie haben gar selbst erwähnt, „Ich rede immer zu viel.“, „Ich bleibe lieber im Hintergrund.“ – ohne die Bereitschaft, sich verändern zu wollen. Wenn die Entscheidung getroffen ist, verschwinden die Widerstände. Sie hören zu, Sie nehmen das Gehörte ernst. Wer sich in den eigenen Mustern einrichtet, lebt in den eigenen Grenzen. Gehen Sie darüber hinaus.
Wir sind an Ihrer Seite, Ihre Dorothea Assig und Dorothee Echter
|