Liebe Leserin, lieber Leser! Noch während der Pandemie wird analysiert, welche Auswirkungen die letzten beiden Jahre auf uns haben. Brillante Erkenntnisse dazu hat Daniel Schreiber in seinem Bestseller ALLEIN gewonnen. Er beschreibt den Rückzug auf die engsten Vertrauten: Single-Freund:innen, Paare, Familien. Den Verlust spüren manche Menschen nicht, weil es im engsten Kommunikationskreis genügend Bewegung gibt. Sie genießen es, endlich Zeit zu haben, diese vertrauten Beziehungen zu pflegen. Da kommt keiner zufällig vorbei und setzt sich dazu. Alles privat, alles im engsten Kreis. Und Singles allein zu Haus.
Auch in den Unternehmen trügt der Schein. Es gibt viel Bewegung, neue Themen, es scheint viel los zu sein. Nur – mit immer den gleichen Menschen immer am gleichen Ort – vor dem Bildschirm. Vor der Pandemie wurden ihnen die Möglichkeiten neuer Kontakte sozusagen geschenkt, in einer Konferenzpause, auf dem Flur in der Konzernzentrale, in der Businesslounge am Flughafen. Was muss jemand heute, in der Pandemie tun, um einen neuen Menschen kennenzulernen? Dieses Repertoire, das aus der sozialen Enge der gewohnten Ansprechpartner:innen in die Community-Weite führen könnte, ist noch nicht entwickelt. Im Gegenteil, das Homeoffice bestärkt Menschen darin, sich noch radikaler auf ihren Arbeitsbeitrag und ihre privaten Aufgaben zu konzentrieren. Fast alle Stunden des Tages sind Online-Stunden. 4 Stunden Projektarbeit, 3 Stunden Führungsarbeit, 1 Stunde Einkäufe bestellen, 1 Stunde Chefin beruhigen, 1 Stunde mit der kranken Freundin, 30 Minuten mit dem Steuerberater, 30 Minuten mit der Mathelehrerin von Felix, 30 Minuten mit dem verzweifelten Ex-Kollegen, der gekündigt wurde. Dann Partner:in, Kinder, Hund, dann zur Entspannung 2 Stunden Serie schauen – die Nacht ist kurz.
Wie sollte mit diesen Mustern jemals eine Zufallsbekanntschaft gemacht werden, wie sollten bisher unbekannte Menschen, die sich inspirieren könnten, jemals zueinander finden? Die Pandemie hat eine große soziale Enge hergestellt. Das kommunikative Repertoire wird weniger einfallsreich, beschränkt auf das, was sich online machen lässt, in den sozialen Medien und den Chatrooms dieser Welt. Das Community-Leben fehlt, fluide Begegnungen, Spiegelungen und Resonanz, Zugehörigkeitsgefühl, Ambivalenz, Mitschwingen, soziale Anerkennung, Inspirationen, Neugierde, Staunen, das, was aus gemeinsamem Schweigen oder unbeschwertem Plaudern alles entstehen kann ...
» Wird das Denken zunehmend eindimensional? » Bleibt das Mindset flexibel? » Kann Erfolgsgefühl entstehen? » Wird die Enge etabliert? » Wie entwickeln sich Business-Communities? » Wie geht es Singles, und wie den Solo-Selbstständigen? » Was bedeutet das für unsere Gesellschaft?
Wie kommt die Weite in Ihr Leben? Nicht dadurch, dass Sie mit sehr vertrauten Menschen Ihren nächsten Urlaub planen oder als Ehepaar einen Wochenendtrip nach Venedig machen, auch nicht dadurch, dass Sie an einem Online-Kurs in den USA teilnehmen oder Ihr Privatleben auf Linkedin ausbreiten. Weite braucht Begegnung und Nähe. Von der Enge in die Weite kommen bedeutet, sich mehr damit zu beschäftigen, wie Sie wieder mehr andere Menschen in Ihr Leben einbeziehen.
Wir sind an Ihrer Seite, Ihre Dorothea Assig und Dorothee Echter
Assig+Echter Topmanagement Blog
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